Ich fotografiere nicht, was VINCENT VAN GOGH malte – ich fotografiere, was er dachte.

Seit 1990 bin ich auf den Spuren des Malergenies VINCENT VAN GOGH. Mit Licht, das in meiner Kamera auf ein lichtempfindliches Medium fällt, möchte ich sein Leben nachzeichnen. Als voreingenommener Bild-Erzähler versuche ich meine eigenen Wahrnehmungen an den verschiedenen Wirkungsstätten van Goghs zu inszenieren. Dabei verschmelzen immer wieder seine geschilderten Eindrücke mit meinen aktuellen Erfahrungen. So enstehen nicht ganz zufällig auch immer wieder ähnliche Motive von Landschaften, Menschensituationen und Stillleben. Es sind aber ausschließlich seine überlieferten Empfindungen und nicht seine Werke, die ich zu visualisieren versuche.

I n s p i r a t i o n

R e c h e r c h e

Making Of, k.e in Saint-Rémy-de-Provence, 1993
Saint-Rémy-de-Provence, 1993

Die verschiedenen Bildsprachen meiner Fotografien entsprechen meiner persönlichen Wahrnehmung von Landschaften und Städten, in denen ich das Seelenleben van Goghs, seine Vorlieben, seine Ängste und seine Wünsche auf irgend eine Weise nachvollziehen konnte.

vanGogh-Bücher
Literatur über VINCENT VAN GOGH exisitiert in ausreichender Menge.

Seit den neunziger Jahren haben mich immer wieder Publikationen, Meldungen und Filme über Vincent van Gogh, vor allem aber eine neue deutsche Übersetzung seiner Briefe („Manch einer hat ein großes Feuer in seiner Seele“), gefesselt. Die umfangreiche Biografie von Steven Naifeh und Gregory White Smith bewirkte einen völlig neuen Blick auf das Malergenie („Van Gogh – Sein Leben“). So lag es nah, dass ich mein Projekt mit weiteren Motiven aus Stätten, die ich beim ersten Aufschlag unberücksichtigt gelassen hatte, neu auflegte.

Making Of, k.e in seiner StudioGalerie in Wesel, 1994
In der StudioGalerie Wesel, 1994
Making Of, k.e in seiner StudioGalerie in Wesel, 1994
In der StudioGalerie Wesel, 1994

Meine tristen Schwarz-Weiß-Motive aus dem Borinage sind van Goghs hilflosen Anteilnahme für die Grubenarbeiter-Witwen und -Waisen geschuldet, denen er als Prediger in der Verzweiflung über den Verlust ihrer Angehörigen beizustehen versuchte. Die Nachtaufnahmen aus Arles stehen unter anderem für seine intensive Farbsensibilität, die der Farbempfindlichkeit heutiger fotografischer Medien gleich kommt. Seinem vermeintlichen Freitod in Auvers-sur-Oise gehen seelische Zerrissenheit und Verzweiflung voraus, die ich in verschwommenen Doppelbelichtungen zu beschreiben versuche.

F o t o a r b e i t

Making Of, k.e in Ramsgate, 2019
Am Strand von Ramsgate, 2019

Kennen wir Vincent van Gogh?

„Unzählige Kunstwissenschaftler, Historiker, und Kuratoren haben uns das Phänomen van Gogh, mit seiner zerrissenen Künstlerseele zu erklären versucht. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts analysieren immer wieder Autoren in den Biografien mit immer wieder revolutionären Betrachtungen seines vermeintlich konfusen Lebens die Persönlichkeit des Malergenies.

Jetzt vermittelt uns der Fotokünstler Karsten Enderlein eine weitere Sehweise auf den Künstler. Der in Düsseldorf lebende Bild-Erzähler reist seit fast dreißig Jahren an die Orte, in denen van Gogh gelebt und gearbeitet hat.“

Klaus Brinkmann, Düsseldorf im Mai, 2020

In dem Badeort Ramsgate an der englischen Ostküste war van Gogh mit 23 Jahren als Hilfslehrer an einer Privatschule angestellt. Die Ähnlichkeit der Küstenlandschaft mit seiner holländischen Heimat erleichterte dem jungen Vincent das einsame Leben fern der Familie. Obwohl er damals noch nicht an ein Künstlerleben dachte, beschäftigte ihn die malerische Wirkung in der Natur sehr. Das nachzuspüren, fiel mir leicht.

Making Of, Ramsgate, 2019
Arbeitstisch Ramsgate, 2019

Making Of, k.e in der Tate Britain London, 2019
Tate Britain London, 2019

In London, wie auch anderswo auf dieser Welt, teilte ich van Goghs Interesse für die Attraktionen einer Großstadt, weit vorbei an den Hotspots des Massentourismus. Spaziergänge in den großen Parks und an der Themse, sowie Besuche der Museen bilden die Hauptmotive meiner Arbeit. Im Land des Brexit war es ein besonderes Erlebnis, auf den Spuren des vielleicht ersten echten Europäers, für den ich Vincent van Gogh erachte, zu wandeln.

P r ä s e n t a t i o n

Repro Ausstellungsposter 1995
Den ersten Teil meiner Werkgruppe durfte ich bereits 1995 im Weseler Museum präsentieren.
Ausstellung Wesel 1995
Ausstellungsansicht Städt. Museum Wesel, 1995

Das umfangreiche pdf-Dokument (86 Seiten) zeigt eine großen Teil meiner über 300 Fotografien von allen elf Sationen, die ich bereist habe. Eine Zitatenauswahl der überlieferten Briefe van Goghs ist jeweils den entsprechenden Fotografien zugeordnet. Sie verschmelzen mit dem Motiv und verschärfen zugleich seinen Hintergrund. Ich möchte mit meinem Bildwerk auf diese Art meine persönliche Sehweise auf den berühmten Maler vermitteln.

Die Zeitung über das Projekt „k.enderlein trifft VINCENT VAN GOGH“ gibt einen groben Überblick über meine umfangreiche Werkgruppe und macht bestenfalls auch neugierig darauf, welcher Zusammenhang sich zwischen Klassischer Moderne und zeitgenössischer Fotografie finden lässt.

Alle 302 Bildmotive der Werkgruppe „k.enderlein trifft VINCENT VAN GOGH“ finden Sie in den Schubladen meines ARCHIVs [opening time: 8:00 am to 0:00 CET]

k.enderlein, September 2020

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